Die Arbeitsgruppe „Zukunft Pferdeturm" ist der organisierte Zusammenschluss des Förderkreis Nordkurve Pferdeturm e.V., dem Fanprojekt am Pferdeturm e.V., der aktiven Fanszene, der Fanclubs sowie langjähriger Dauerkarteninhaber des Eishockey-Standorts Hannover. Wir vertreten die Interessen von durchschnittlich über 3.500 Stadionbesuchern pro Spieltag1, die jährlich für eine sechsstellige Zahl an Besuchen in Kleefeld sorgen und damit einen erheblichen Wirtschaftsfaktor für die lokale Gastronomie und den ÖPNV darstellen. Als wöchentliche Nutzer des Standorts bündeln wir die Expertise aus Jahrzehnten aktiver Stadion-Erfahrung.
Die Arbeitsgruppe setzt sich für den identitätsstiftenden Erhalt und die Sicherung des charakteristischen Charmes des Eisstadions am Pferdeturm ein. In der Gesamtbetrachtung bewerten wir die aktuell diskutierten Überlegungen zu Standortveränderungen oder Kapazitätsverschiebungen als unverhältnismäßig und im Hinblick auf die negativen Auswirkungen für die Sportkultur, die Nachwuchsarbeit und die soziale Integrität des Stadtteils Kleefeld als kritisch.
Der Erhalt des Standorts am Pferdeturm in Kleefeld ist nicht nur aus sportgeschichtlicher Sicht alternativlos, da das Eisstadion sowie der Sport bereits seit 67 Jahren tief mit dem Stadtteil verwurzelt sind, sondern auch aus regulatorischer und ökologischer Perspektive der Stadtplanung geboten. Im Vergleich zu potenziellen Neubauflächen am Stadtrand (z. B. Expo Gelände) weist der aktuelle Standort eine überdurchschnittliche Erschließungsqualität durch Individualverkehr und insbesondere den ÖPNV auf (S-Bahn-Station Hannover-Kleefeld, Stadtbahnlinien 4 und 5 sowie der Buslinien 127 und 137).
Eine Verlagerung würde den „Modal Split" (Verhältnis der Verkehrsmittelwahl) massiv zuungunsten der städtischen Nachhaltigkeitsziele verschieben2, da eine vergleichbare Taktung und Kapazität des Schienenverkehrs an peripheren Standorten nicht ohne massive Investitionskosten realisierbar ist. Die bestehende Infrastruktur fängt an Spieltagen Spitzenlasten von über 3.500 Personen ab, ohne den Individualverkehr im Stadtteil unverhältnismäßig zu belasten. Ein Bekenntnis zum Standort ist daher als aktiver Beitrag zur Verkehrswende und zum Klimaschutz innerhalb der Landeshauptstadt zu werten.
Das Eisstadion am Pferdeturm verfügt über ein Alleinstellungsmerkmal von überregionaler Strahlkraft. Dass die Hannover Indians in der Oberliga Nord (3. Liga) einen Zuschauerschnitt von über 3.500 Personen erzielen und damit regelmäßig die Resonanz von Standorten der DEL und DEL2 übertreffen, belegt eindrucksvoll: Am Pferdeturm wird nicht nur Eishockey konsumiert, sondern ein einzigartiges, identitätsstiftendes Stadionerlebnis gelebt. Die Landeshauptstadt Hannover erkennt diese Bedeutung explizit an und beschreibt das Stadion als eines der "legendärsten Eishockey-Stadien der Bundesrepublik", dessen Atmosphäre zwischen Fans und Verein "Kult" sei3.
Insbesondere die ikonische Dachkonstruktion sowie die halboffene Bauweise sind daher nicht nur ästhetische Merkmale, sondern die funktionalen Treiber dieses außergewöhnlichen Erfolgs. Vergleiche zeigen, dass der Erhalt historischer Kernelemente die Akzeptanz bei Stakeholdern signifikant erhöht. Ein Verzicht auf diese Merkmale würde das wirtschaftliche Potenzial des Standorts durch den Verlust seiner Einzigartigkeit gefährden und das Risiko einer Austauschbarkeit gegenüber modernen, oft sterilen Multifunktionsarenen erhöhen. Eine Nivellierung der Architektur gefährdet die überdurchschnittliche Magnetwirkung, die das Stadion derzeit auf Zuschauer ausübt.
Die Festschreibung einer verbindlichen Stehplatzquote von 80% bei einer angestrebten Zielkapazität von 6.000 Zuschauern is unmittelbar. Dies entspricht einer absoluten Kapazität von 4.800 Stehplätzen und ist die Grundvoraussetzung, um den Standort als inklusiven Breitensport-Treffpunkt zu erhalten. Die aktuelle bauliche Situation am Pferdeturm führt bei hoher Auslastung regelmäßig zu Zuständen, die modernen Sicherheitsstandards und einer zeitgemäßen Aufenthaltsqualität widersprechen. Eine Kapazitätserweiterung darf daher keine bloße Verdichtung des Bestands sein, sondern muss zwingend eine bauliche Flächenoptimierung vorsehen. Um den Kern der gewachsenen Sportkultur und die soziale Dynamik des Stadions baulich abzusichern, fordern wir zudem die Fixierung von mindestens 2.500 Stehplätzen zentral innerhalb der Nordkurve.
Gegenwärtig kommt es bei ausverkauften Spielen systemisch zur Überlastung der Flächen, was dazu führt, dass notwendige Fluchtwege und Treppenaufgänge durch Zuschauer besetzt werden, ein Zustand, der als „Sardinendosen-Effekt" bezeichnet wird und ein erhebliches Haftungsrisiko darstellt. Zudem entstehen in den oberen Rängen massive Sichtschatten, wodurch sich bis zu fünf Reihen hinter der eigentlich letzten regulären Reihe bilden, von denen aus das Spielgeschehen faktisch nicht einsehbar ist. Eine modernisierte Tribünengeometrie muss diese Defizite beheben, die Trennung von Verkehrs- und Zuschauerflächen strikt gewährleisten und jedem der 4.800 Stehplatz Besucher eine uneingeschränkte Sicht ermöglichen.
Diese Quote ist zudem unmittelbar mit dem Ziel der sozialen Teilhabe verknüpft. Mit einem aktuellen Stehplatz-Anteil von rund 85% (3.894 Plätze) bietet der Pferdeturm ein preisgünstiges Einstiegs-Segment für Jugendliche, Familien und einkommensschwache Haushalte. Eine Erweiterung auf 6.000 Plätze bei einer 80-prozentigen Stehplatzquote bietet die Chance, auch die wirtschaftlichen Interessen des Vereins zu wahren. Die Sitzplatzkapazität würde auf 1.200 Plätze steigen, was einem Zuwachs von rund 70% gegenüber dem Ist-Zustand (714 Plätze) entspricht. Damit wird der Bedarf an Komfort- und Sponsorenplätzen massiv ausgebaut, ohne die gewachsenen Nutzerstruktur zu verdrängen. Die Festschreibung dieser Quote dient somit der Sicherung der „sozialen Integrität" im Sinne einer barrierefreien Sportstadt Hannover und verhindert die Transformation des Standorts in eine exklusive Event-Arena zu Lasten der nächsten Generation von Stadionbesuchern.
Die akustische Charakteristik des Eisstadions am Pferdeturm, oft als „Hexenkessel-Effekt" beschrieben, ist kein zufälliges Nebenprodukt, sondern ein wesentlicher Bestandteil der sportlichen und ökonomischen Standortattraktivität. Physikalisch basiert dieser Effekt auf den spezifischen Reflexionswerten der aktuellen Dach- und Wandkonstruktion. Unter Verweis auf moderne Arena-Bauten zeigt sich regelmäßig, dass der Einsatz hochisolierender, schallschluckender Materialien die Identität des Sportangebots nivelliert. Wir fordern daher eine verpflichtende schalltechnische Evaluation im Rahmen der Machbarkeitsstudie. Ziel muss es sein, durch gezielte Materialwahl die akustische Signatur zu erhalten, die als Alleinstellungsmerkmal maßgeblich zur Auslastung und zum Ticketabsatz beiträgt.
Eine effiziente Ressourcenallokation ist Grundvoraussetzung für die Akzeptanz öffentlicher Investitionen. Aus Nutzersicht weisen die Sanitäranlagen sowie die gastronomischen Versorgungseinheiten den höchsten Sanierungsstau auf. Während VIP-Kapazitäten kurzfristige Erlöspotenziale bieten, sichert die Grundinfrastruktur den langfristigen Betrieb. Wir bewerten eine Überpriorisierung von Hospitality-Flächen gegenüber der funktionalen Basis als marktfern. Eine bedarfsgerechte Modernisierung dieser Kernbereiche ist daher als vorrangig einzustufen, um den Standard einer modernen Landeshauptstadt-Sportstätte zu gewährleisten.
Die Komplexität der Besucherströme an Spieltagen mit über 3.500 Personen erfordert eine Gestaltung, die über rein theoretische Sicherheitsnormen hinausgeht. Die jahrzehntelange Erfahrung der täglichen Nutzer bietet hierbei eine valide Datengrundlage zur Vermeidung von Planungsfehlern. Insbesondere die Entzerrung von Einlasssituationen und die Optimierung der Wegeführung zu den Versorgungsständen („Flow-Management") sind entscheidend für die Sicherheit und das Konsumverhalten der Besucher. Eine frühzeitige Integration dieser nutzerbasierten Expertise minimiert das Risiko kostspieliger Nachbesserungen nach Fertigstellung und erhöht die betriebliche Effizienz.
Die Komplexität eines Bauvorhabens dieser Größenordnung verlangt nach einer institutionalisierten Form der Stakeholder-Beteiligung. Die Einrichtung eines Nutzer-Beirats, besetzt durch Vertreter der Arbeitsgruppe „Zukunft Pferdeturm", ist als Instrument zur Sicherung der Planungssicherheit und des Stakeholder-Vertrauens (analog zu § 10 VwVfG Grundsatz der Zweckmäßigkeit) zu verstehen. Eine reine Informationspolitik seitens der Verwaltung reicht nicht aus, um die tiefgreifende Expertise der Nutzerbasis operativ nutzbar zu machen. Nur durch eine direkte Einbindung kann gewährleistet werden, dass die Machbarkeitsstudie zu Ergebnissen führt, die am Markt (Fankultur und Verein) auch tatsächlich Bestand haben.
Eine transparente Kommunikation ist die fundamentale Basis für die Akzeptanz von Großprojekten im städtischen Raum. In der Vergangenheit haben Intransparenz oder plötzliche Planungsänderungen bei Sportstättenprojekten bundesweit zu massiven Akzeptanzverlusten und zivilgesellschaftlichem Widerstand geführt. Wir fordern daher eine proaktive Berichterstattung über den Fortschritt der Machbarkeitsstudie. Dies dient der Vermeidung von Informationsasymmetrien zwischen Politik, Verwaltung und Bürgerschaft. Ein offener Diskurs ermöglicht eine faktenbasierte Bewertung der Ergebnisse und stärkt die demokratische Legitimität des gesamten Vorhabens.
Die Zukunftsfähigkeit des Standorts bemisst sich maßgeblich an der Qualität der dort verankerten zivilgesellschaftlichen Strukturen. Um die jahrzehntelange, erfolgreiche Arbeit der gemeinnützigen Vereine (Förderkreis Nordkurve Pferdeturm e. V. und Fanprojekt am Pferdeturm e.V.) am Pferdeturm zu sichern, ist die Schaffung einer funktionalen und autonomen Infrastruktur unumgänglich. Kernpunkt dieser Forderung is die Bereitstellung von eigens ausgewiesenen Räumlichkeiten, die räumlich strikt von kommerziellen Bereichen getrennt sind. Diese müssen über einen externen Zugang verfügen, um eine autarke Nutzung für die pädagogische Hilfe, Gremiensitzungen und Workshop-Angebote auch außerhalb der Spieltage zu ermöglichen, ohne zusätzliche Betriebskosten für den Hallenbetreiber zu verursachen.
Zur Absicherung des Vereinseigentums und zur Minimierung von Haftungsrisiken für die ehrenamtlichen Vorstände sind hierbei moderne Sicherheitsstandards, insbesondere ein zertifizierter Einbruchschutz sowie eine selbstschließende Schließanlage, zwingend erforderlich. Ergänzt wird dies durch fest installierte Präsentationsflächen im Stadionumlauf sowie ein integriertes Lager- und Spindzentrum für Fanmaterialien.
Die Gestaltung der Fankurve ist ein entscheidender Faktor für die soziale Selbstregulierung und die Sicherheit innerhalb des Stadions. Wir fordern eine konsequente Umsetzung einer „Kurve ohne Mundloch". Aus Sicht der Gewaltprävention und der Fanbetreuung ist eine geschlossene Kurvenstruktur (Zugänge ausschließlich von hinten oder unten) essenziell. Zentrale Mundlöcher innerhalb der Stehplatzbereiche unterbrechen nicht nur die akustische und optische Einheit, sondern schaffen erhebliche Gefahrenpotentiale durch Stauungen in den Zuwegen. Flankiert wird dies durch die bauliche Garantie für Zaunfahnenplätze in der ersten Reihe. Die Installation geeigneter Vorrichtungen muss so erfolgen, dass das Aufhängen von Fahnen als zentrales Element der Fankultur ermöglicht wird, ohne Fluchtwege oder Sichtlinien zu beeinträchtigen. Diese Anforderungen sind keine ästhetischen Wünsche, sondern bewährte Sicherheitsvorgaben zur Steuerung von Fanströmen und zur Wahrung der Identität des Standorts.


Wir fordern den Rat der Landeshauptstadt Hannover und Oberbürgermeister Belit Onay auf, eine verbindliche, dauerhafte und rechtlich abgesicherte Standortgarantie für das Eisstadion am Pferdeturm abzugeben. Sollte es aufgrund baurechtlicher Hürden nicht möglich sein, einen Neubau auf dem Grundstück des Eisstadions und des benachbarten Standortforstamtes umzusetzen, muss eine Alternativfläche in unmittelbarer Nähe des heutigen Standortes, vorzugsweise in Kleefeld, zur Verfügung gestellt werden.
Unabhängig von künftigen Debatten über Sanierungs- oder Neubaukonzepte muss dieser traditionsreiche Standort im Stadtteil Kleefeld als Heimat des Eissports dauerhaft gesichert werden. Wir fordern ein Ende des politischen Stillstandes sowie die sofortige Schaffung verlässlicher Planungssicherheit bis 2032 für den Verein, den Nachwuchs, die Fans und den gesamten Sport.
Das Eisstadion am Pferdeturm ist seit über 65 Jahren das emotionale Herz des hannoverschen Eissports. Es ist eine soziale Institution, ein Treffpunkt für Generationen und ein unverwechselbares Stück Identität der Landeshauptstadt Hannover, mit deutschlandweiter Strahlkraft und Kultstatus.
Seit Jahrzehnten dreht sich das politische Karussell im Rathaus im Kreis, während die Zukunft des Standortes durch andauernde Prüfungen blockiert wird. Die historische Chronik der politischen Debatten zeigt den dringenden Handlungsbedarf: Bereits in den frühen 2000er-Jahren wurde ein möglicher Neubau thematisiert. Es folgten unter anderem 2013 eine Drucksache (1) zur Prüfung und Kostendefinition einer Sanierung sowie weitere politische Beratungen über die Zukunft des Standortes. Zuletzt wurde im Jahr 2024 eine Machbarkeitsstudie (2) für einen möglichen Neubau angekündigt, deren Ergebnisse bereits im Sommer 2025 erwartet wurden. Darüber hinaus standen Haushaltsmittel in Höhe von 1,65 Millionen Euro zur Verfügung (3), die dem Verein zur eigenständigen Fortführung der Planungsleistungen bereitgestellt werden sollten. Auch dieser Ansatz konnte bislang nicht umgesetzt werden (4).
Diese Petition klammert die Frage aus, ob das Stadion saniert oder neu gebaut wird. Diese technischen Details dürfen nicht länger als Ausrede genutzt werden, um die gesamte Existenz des Eissports am Pferdeturm zu gefährden. Eine Verlagerung des Stadions an den Stadtrand ist für uns inakzeptabel. Die einzigartige Kultur lässt sich nicht an einen anderen Ort kopieren. Was wir jetzt brauchen, ist das Fundament für alles Weitere: Eine unumstößliche Garantie für genau dieses Grundstück.
Der Pferdeturm gehört zu Hannover wie das Neue Rathaus und die Eilenriede und ist eine feste Bastion der deutschen Eishockey-Kultur. Wenn traditionsreiche Standorte wie dieser sterben, verliert der gesamte Sport in Deutschland sein Gesicht. Zeigen wir der Politik, dass die Geduld der Eishockey-Familie erschöpft ist. Wir fordern das Ende von leeren Versprechungen und eine ehrliche Perspektive für unsere Heimat. Die Zeit für eine langfristige Standortabsicherung ist genau jetzt!
Die Initiatoren: Gemeinsame Initiative der Aktiven Fanszene, des Förderkreises Nordkurve Pferdeturm e.V. und des Eishockey Fan-Projekts Am Pferdeturm e.V.

